Schiffsmeldungen
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In
seiner Gebetshaltung steht der kleine Buddha vor uns, unser Talisman von Sandra und Bernd. ãGib uns GeduldÒ, bitten
wir ihn, wir brauchen sie dringend. Heute ist der 12. November, und schon wieder
hei§t es: warten. Seit vorgestern Abend ankern wir vor Santos, dem Hafen der 25
Millionen Stadt Sao Paulo. Die Wartegemeinschaft besteht inzwischen aus ca. 30
weit verstreut liegenden Schiffen. Der Himmel ist grau bei 29¡C, ein
leichter Wind macht die Temperatur
angenehm, aber der Pool wird nicht gefŸllt,
das Meer ist zu dreckig.
Erst heute erfahren wir, dass Montevideo das nŠchste Ziel ist. Selbst der KapitŠn bekommt ganz kurzfristig von der Zentrale die Information, welchen Hafen er als nŠchsten anlaufen soll und mit welcher Geschwindigkeit dies zu geschehen hat. Wenn es nicht eilt, werden die Maschinen gedrosselt, das spart …l. In Europa mŸssen die Schiffe aus UmweltgrŸnden mit Diesel fahren, hier benutzen sie Schweršl. Mit Feinstaub gibt es keine Probleme, die Ru§brocken sind millimetergro§. Das dreckt so heftig, dass das Deck jeden Tag abgekŠrchert werden muss. Mit meiner hellen Hose habe ich mich einmal auf einen nicht gereinigten Stuhl gesetzt.... Bei Dunkelheit gibt es hŠufig kostenloses Feuerwerk, aus dem Schornstein schie§t dann eine Fontaine von brennenden Ru§brocken.
WŠhrend wir vor Anker liegen, wird die Hauptmaschine abgestellt, aber die Generatoren mit je 1,2 MW (die damit einen ganzen Ort mit Strom versorgen kšnnten) laufen weiter, und die verursachen den stŠrksten LŠrm.

Am
Ende des ersten Teils unseres Reiseberichtes waren wir ja noch vor Rio. Bei
strahlend blauem Himmel rauschten wir am 09. Nov. mit ca. 30 km/h auf die Stadt
zu und waren um 16 h kurz vor der Einfahrt. Aber dann die Nachricht: Der Lotse
kommt erst um 18 h. Also kehrt, noch einen
Extra-Kreis, ehe die ãGrande AfricaÒ ganz langsam auf
die Einfahrt zufŠhrt. Es dŠmmert schon, als er dann wirklich kommt, und die
Berge der KŸste heben sich wie ein Scherenschnitt vom Himmel ab. Die
untergehende Sonne steht hinter dem Zuckerhut und dem 710 m hohen Berg ãCorcovadoÒ (der Buckel) mit dem 38 Meter hohen ãChristo RedentorÒ.
Die Einfahrt ist ein unvergessliches
Erlebnis. Rechts und links HŸgel in den unterschiedlichsten Formen und Hšhen,
dazwischen kleine Inseln. Ein gewaltiges Fort bewacht die Einfahrt. Es hei§t
wohl zu Recht, Rio sei die am schšnsten gelegene Stadt der Welt. Aber: Ÿberall HochhŠuser, Flugplatz
direkt am Ufer. Die Flugzeuge starten und landen in kurzen AbstŠnden und mŸssen
gleich nach dem Start Ÿber die Berge hochgezogen werden. Hubschrauber dršhnen
Ÿber uns hinweg, zwei …lplattformen liegen im Hafenbecken, Autos flie§en als endlose Lichterschlange
Ÿber die gigantische BrŸcke, die die Bucht
Ÿberspannt, FŠhren flitzen stŠndig hin und her. Am Kai liegt ein ãAidaÒ
Kreuzfahrtschiff. Der LŠrmpegel hier muss erheblich sein, aber der LŠrm unseres
Schiffes Ÿbertšnt alles. Wir beginnen uns immer šfter nach einem ruhigen
PlŠtzchen zu sehnen.
Bei
všlliger Dunkelheit legen wir am Kai an. Die ganze Nacht wird gearbeitet, fŸr 4 h frŸh ist das Auslaufen
eingeplant. Schade, dass wir nicht mal einen Tag fŸr eine Stadtbesichtigung
haben. Wenigstens das Auslaufen wollen wir nicht versŠumen, stellen uns den
Wecker auf 4 h – nichts rŸhrt sich – dann 4.30, 5, schlie§lich 6,
und um 7 h geht es wirklich los. Auch gut, so kšnnen wir bei herrlichem Wetter
Fotos von der Ausfahrt mach
en. Jetzt scheint die Sonne auf die berŸhmten und
tausendfach fotografierten SehenswŸrdigkeiten, wir fŸgen dem noch ein paar
Hundert Fotos dazu.
Nur noch 207 Seemeilen bis Santos, schon heute Abend sollten wir dort sein, aber dann...siehe oben.
13. Nov.
Gestern sind wir schon bei Dunkelheit und anfangs stršmendem Regen Ÿber eine Stunde durch die endlosen Hafenanlagen von Santos gefahren, ehe um 0.30 h die ãGrande AfricaÒ von unserem KŠptÕn souverŠn erst rŸckwŠrts, dann seitwŠrts in eine ãParklŸckeÒ zwischen zwei Schiffe bugsiert wurde.
FŸr
heute hatten wir einen Landgang eingeplant, aber nicht nur der Regen macht die
PlŠne zunichte. Aus
nahmsweise geht alles viel schneller als gedacht, schon nach
dem Mittagessen legen wir wieder ab.
Der Himmel bleibt grau, der Wind nimmt bis auf geschŠtzte 7 WindstŠrken zu. Wei§e Schaumkronen dekorieren die bleigraue See. Das Schiff schwankt und stampft stŠrker als je zuvor, aber kein Problem – inzwischen sind alle seefest. Wir kommen nur noch mit 24 km/h vorwŠrts – kein Wunder, die ãGrande AfricaÒ hat die Windschnittigkeit einer Schrankwand.
Per nutzt die Zeit bis Montevideo fŸr Arbeiten am Wohnmobil. Die Nummernschilder werden gegen ungestempelte ausgetauscht, LeselŠmpchen Ÿber der Sitzecke angebracht, deutsche HartwŸrste gegen Lebensmittelkontrollen unter Bodenbrettern versteckt. Es ist hei§ und stickig da unten auf Deck 6, aber wir haben Strom und eine Klimaanlage im Auto.
Am 15. Nov. sind wir um 24 h sind wir im Hafen von Montevideo, sofort geht die Rampe runter und das Be- und Entladen beginnt. Der erste Offizier hat uns geraten unsere Autos zu bewachen. Per und ich fangen an, dann geht es im Zweistundentakt weiter, die ganze Nacht durch.
Landgang am nŠchsten Morgen. Erster
Pflichtpunkt ist das Denkmal fŸr die Graf Spee, die der
KŠptÕn hier im Hafen versenkt hat. Direkt daneben beginnt die Altstadt. Wir
sind von den grauen baumlosen Stra§en enttŠuscht, nach der beeindruckenden
Skyline hatten wir uns vo
n der Stadt wesentlich mehr versprochen.
Zur hiesigen Mittagszeit,
d.h. zwischen 14 und 16 h, kommen wir in eine Flaniermeile, die nur aus
Restaurants zu bestehen scheint. Alle sindgerammelt voll, und mittendrin ist
eine wunderschšne Markthalle mit Dutzenden von StŠnden mit gewaltigenGrills
Ÿber echtem Holzfeuer. Kulinarisch nicht gerade verwšhnt, lŠuft
uns das Wasser
im Mund zusammen. Wir verzehren ein riesiges Bife de Lomo (Rinderfilet). Kšstlich!
Nachts gegen 3 h laufen wir wieder aus, aber nicht etwa nach Buenos Aires. Der Hafen ist voll, wir ankern fast 24 Stunden in Sichtweite vor Montevideo, erst dann geht es weiter durch das riesige MŸndungsdelta des Rio de La Plata - noch 7 Stunden Fahrzeit bis zum Ziel.
Am 18. November machen wir nach ca. 8100 sm gegen Mittag im Hafen von Buenos Aires fest.
Schšne Seereise ex!